Die lange Erde

Ereignisse sind eine ganz einfache Sache: Entweder sie finden statt oder nicht. Doch was wäre, wenn für jedes stattgefundene Ereignis eine Parallelwelt erschaffen wird, in der es nicht stattfand? Klingt sehr verwirrend, oder? Terry Pratchett und Stephen Baxter sind mir ihrem Roman „Die lange Erde“ aber genau dieser Frage nachgegangen. Und heraus kam ein durchaus interessantes Buch.

Worum geht in dem Buch?

Die Idee hinter der Geschichte ist extrem komplex und vergleichbar mit dem Konzept der Parallelwelten, welches auch von vielen Filmen und Serien (u.a. Star Trek) aufgegriffen wird. Pratchett und Bexter davon aus, das unvorstellbar viele Erden nebeneinander existieren und die Menschen mit einem Schritt auf die nächste Welt wechseln können. Was einen zu den Fragen bringt: Hat die lange Erde ein Ende? Und wenn ja, was erwartet einen dort?

Und wie ist die Geschichte?

Der Einstieg ist den beiden Autoren richtig gut gelungen: Auf der ganzen Welt verschwinden plötzlich Kinder spurlos und tauchen einige Zeit später völlig verängstigt wieder auf. Dieses Ereignis nennt die Menschheit später den Wechseltag. Der Grund für das plötzliche veschwinden ist der Wandler. Mit Hilfe eines Wandlers können Menschen entweder nach Westen oder Osten auf der langen Erde Wechseln. Eine Einschränkung beim Wechseln ist, das kein Eisen mitgenommen werden kann und der Mageninhalt dazu neigt sich nach jedem Schritt zu entleeren.

Ebenfalls gelungen ist die Zeichnung der beiden Hauptfiguren Joshua Valientè und Lobsang. Joshua konnte bereits als kleines Kind wechseln und bevorzugt die Stille der Welten fernab der Datum-Erde (so wird „unsere“ Erde genannt). Bis er von Lobsang ausfindig gemacht wird, der ihn mit auf eine Reise bis zum Ende der lange Erde nehmen möchte.

Und überhaupt Lobsang: Eine unglaublich typische Pratchett Figur! Ein buddhistischer Mönch, der in einem Getränkeautomaten wiedergeboren wurde. Er ist quasi ein menschliches Wesen, das auf Computern zuhause ist. Herrlich! An solchen Ideen merkt man, dass Terry Pratchett an dem Buch mitgeschrieben hat.

Leider kann der Rest der Geschichte nicht mit dem gelungenen Einstieg mithalten, denn nachdem Joshua und Lobsang aufgebrochen sind, plätschert die Story ohne wirklichen Spannungsbogen vor sich hin. Daran kann auch die mysteriöse Bedrohung nichts ändern, die sich gegen Mitte des Buches am Horizont abzeichnet.
Versteht mich nicht falsch, die Geschichte ist schon sehr interessant und konnte mich durchaus unterhalten. Aber es fehlten einfach verschiedene Handlungsstränge, die hier auf ein großes Finale zusteuern. Und das ist mein größter Kritikpunkt: Es passiert zwar einiges, aber ich hatte nie das Gefühl das sich die Lage zum Finale hin zuspitzt.

Und was hat mir dann so gut an dem Buch gefallen?

Auch wenn es komisch klingt: Es waren die vielen Nebengeschichten, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Denn sie zeigen einem unglaublich direkt den Narzissmus der Menschheit auf. Da wären z.B. Unternehmer, die den Raubbau von Rohstoffen aus Profitgier auf die lange Erde ausweiten. Oder Eltern, die ihre Kinder (die aus einem unbekannten Grund nicht wechseln können) auf der Suche nach dem eigenen Glück auf der Datum-Erde zurücklassen. Das sind Momente, die mich ziemlich beeindruckt haben.

Fazit

Ich habe mich bei dem Buch so schwer getan wie schon lange nicht mehr bei einem Pratchett Roman. Der Einstieg hat mich zwar sofort gefesselt, aber danach habe ich einfach nur darauf gewartet das irgendetwas passiert. Sicher, die Protagonisten geraten immer wieder in brenzlige Situationen. Und die Erforschung des Mysteriums der langen Erde ist schon interessant. Aber das ganze hinterließ bei mir nur Eindruck, das es sich dabei lediglich um Fußnoten auf dem Weg zum Ende der Reise handelt. Und auch wenn das Buch seine typischen Pratchett Momente hat (Lobsang!), darf man keine typische Geschichte im Stil der „Scheibenwelt“-Romane erwarten. Im Endeffekt ist das ganze Buch nur eine große Einleitung für die nachfolgenden Bücher der Reihe, dessen zweiter Band „Der lange Krieg“ vor kurzem erschienen ist.

Dennoch: Joshua und Lobsang sind ein sehr unterhaltsames Duo. Und der sozialkritische Aspekt macht dieses Buch sehr Lesenswert. Also doch irgenwie wieder ein typischer Pratchett.
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