Das Labyrinth der Träumenden Bücher

„Lies es nicht!“ oder „Du wirst enttäuscht sein.“ Das Feedback meiner Freunde hat mich doch ziemlich überrascht. Durch die Bank weg haben alle das Buch schlecht geredet. Aber als Moers-Fan (ich liebe einfach Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär, und Rumo und die Wunder im Dunkeln ist immer noch eines meiner absoluten Lieblingsbücher) habe ich mich davon nicht abschrecken lassen und mich mit Vorfreude auf das Buch gestürzt!

Worum geht es bei „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“?

Die Geschichte schließt nicht nahtlos an den Vorgänger an, denn seit den Ereignissen in der Stadt der Träumenden Bücher sind über 200 Jahre vergangen. Mythenmetz hat sich, nicht zuletzt dank des Orms, zu einem der gefeiertsten Autor entwickelt. Und dieser Ruhm ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen: Satt vom Erfolg versinkt Mythenmetz in der Lobhudelei seiner Fans und verliert sämtlichen Bezug zur Realität. Er ist schon lange nicht mehr der großartige, vom Orm durchflutete Autor vergangener Tage. Da erreicht ihn ein mysteriöser Brief: Der Schattenkönig ist zurück. Von der Botschaft aufgeschreckt beschließt er nach Buchhaim zurückzukehren und nach der Quelle des Briefes zu suchen.

Wie ist das Buch?

Der Einstieg ist Moers sehr gut gelungen. Man merkt Mythenmetz richtig an, wie ihm der Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Er erinnert mich stark an die abgehalfterten Popstars, die sich im Ruhm vergangener Tage suhlen und weit davon entfernt sind wieder neue Meisterwerke zu veröffentlichen. Ja, Mythenmetz ist wirklich das Orm abhandengekommen.

Leider trifft das auch ein bisschen auf Moers selbst zu. Denn mit der Ankunft in Buchhaim hört die Geschichte eigentlich auch schon auf. Es wirkt stellenweise sehr uninspiriert und zieht sich einfach extrem in die Länge. Das erkunden des neuen Buchhaim ist zwar interessant, aber nicht sonderlich spannend. Die Anspielungen auf die Gegenwart sind leider auch nicht mehr ganz so geschickt eingearbeitet wie in seinen vorangegangenen Romanen. Da ist zum Beispiel die Geschichte von Mythenmetz Besuch ein einem modernen Café, in dem die Besucher an einer Theke ihren Kaffee in verschiedenen Größen bestellen können. Eine mehr als offensichtliche Anspielung auf Starbucks und Co. Leider konnte ich hier keine gewiefte Sozialkritik erkennen, und die Szene nimmt moderne Gepflogenheiten leider auch nicht gekonnt aufs Korn. Viel mehr wirkt das ganze wie das gemeckere von einem alten Mann, der in der Vergangenheit stehen geblieben ist und mit der modernen Zeit nicht zurechtkommt. Ein Umstand, der sich durch das ganze Buch zieht. Mir fiel es daher dieses Mal unglaublich schwer, mich mit Mythenmetz zu identifizieren.

Mehr als die Erkundung von Buchhaim passiert in dem Buch auch nicht. Wirklich! Okay, er trifft alte bekannte wieder, und sie bleiben auch nicht von Schicksalsschlägen befreit. Aber das war es auch schon. Denn die Geschichte endet in dem Augenblick, als es zum ersten mal wirklich spannend wird und er erneut in in die Katakomben von Buchhaim hinabsteigt. Ein wirklich fieser Cliffhanger!

Fazit

Moers schafft es, seine bereits unglaublich detaillierte Fantasy Welt um weitere Details und Facetten zu ergänzen. Es macht durchaus Spaß, zusammen mit Mythenmetz das neue Buchhaim zu erkunden und den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Dazu tragen auch die wieder extrem guten Illustrationen von Moers bei.

Das_Labyrinth_der_Traeumenden_Buecher_Illustration
Wieder gelungen: Die Illustrationen

Aber ich hatte auch irgendwann das Gefühl, dass sich nicht nur Mythenmetz, sondern ein Stück weit auch Moers selbst auf die erneute Suche nach dem Orm begibt. Die Geschichte besitzt durchaus das Potenzial, großartig zu werden. Leider ist es in diesem Buch zu offensichtlich, dass es sich „nur“ um die Einleitung zum zweiten Teil handelt (wer sich wie ich Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 im Kino angesehen hat wird wissen was ich meine). Es zieht sich alles, weil nichts wirklich Spannendes passiert und die Geschichte einfach mittendrin endet.

Wahrscheinlich wird man sich erst eine abschließende Meinung bilden können, wenn Das Schloss der Träumenden Bücher erschienen ist. Ich drücke Moers und Mythenmetz die Daumen, dass sie ihr Orm im dritten Band wieder finden! Denn bis dahin gehöre leider auch ich zu den unzufriedenen Lesern.

Doch was denkt ihr? Stimmt ihr mir zu oder hat euch das Buch gefallen? Schreibt es mir in die Kommentare!

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2 Kommentare

  1. Mir erging es ähnlich. Bei mir war Band 1 dann doch aber so lange her, dass gewisse Erwähnungen der Vergangenheit für eine gute Erinnerung gesorgt haben. Aber es zog sich. Das Theater fand ich wiederum interessant, aber die Geschichte war definitiv in die Länge gezogen. MMn der Grund: Eigentlich sollte es wohl nur ein Buch werden, wenn ich richtig informiert bin, aber dann hat Moers (oder Verlag?) angeblich zwei daraus gemacht. Das würde das in die Länge ziehen erklären, wenn er die Seiten füllen musste, um bei diesem Cliffhanger zu bleiben. Den ich ja wieder fantastisch fand 😉 Die Füllungen eher nicht so 😉

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    • Ich wusste gar nicht das es ursprünglich als ein Buch gedacht war O.O Das würde wirklich einiges erklären.
      Aber stimmt, der Cliffhanger war schon extrem gut und ich kann den 2. Teil kaum erwarten 🙂

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